Die Expedition

 

Zum Abschluss der Ausbildung soll der Alpinkader NRW die Möglichkeit erhalten, Erlerntes in einer modernen Expedition im Hochgebirge umzusetzen. Ziel ist es, dass die Kadermitglieder den gesamten Prozess der Expeditionsplanung von der Recherche nach Zielgebieten über die Planung und Organisation (unter Beachtung von Bestimmungen und Genehmigungen der Gastländer etc.) bis zur Durchführung einer modernen Kleinstexpedition erlernen. Die Kadermitglieder sollen am Ende befähigt sein, in größeren Höhen (> 6.000 m) die erlernten und ausgebauten Fähigkeiten in dem Umfeld einer unerschlossenen alpinen Umwelt und z.T. extremeren Exposition anzuwenden, Gipfel erst zu begehen und Neurouten zu erschließen.

Dabei gilt es, die Philosophie des klassischen Alpinismus mit dem Stil des modernen Expeditionsbergsteigens mit minimaler Auswirkung auf die Umwelt zu verbinden. Die Begehungen werden im Alpinstil geplant und sollen dem Gedanken einer schlanken und puristischen Begehung folgen, wobei die objektive Sicherheit aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer an vorderster Stelle steht. 

 

Expeditionsziel

 

Das Ziel der Expedition wird durch den Alpinkader NRW bestimmt. Mit Unterstützung unserer erfahrenen Expeditionsbergsteiger recherchiert der Alpinkader NRW selbstständig alle benötigten Informationen zu möglichen Zielen. So werden auch die theoretischen Grundlagen einer Expedition und deren Vorbereitung vermittelt. Nach einer Vorauswahl und eine Machbarkeitsprüfung wird das Expeditionsziel dann festgelegt und die Feinplanung beginnt.

Eine Beschränkung des Expeditionsziels gibt es nicht. Dem Alpinkader NRW stehen alle Möglichkeiten offen egal ob Südamerika, Grönland, Asien oder der Kaukasus. Einziges Limit stellt ein vorgegebenes Budget dar. 
Letztendlich hängt das Expeditionsziel natürlich auch von den Fähigkeiten des Alpinkader NRW ab. Eine Expedition ist also bei starken Felskletterinnen und Felskletterern eher eine Neue schwere Route und bei starken Hochtourinnen und Hochtourern eher ein  unbestiegener Gipfel.

 

Expeditionsstil

 

Die Begehungsmethode im Sinne des puristischen Alpinstils setzt u. a. voraus, dass sich der Alpinkader NRW möglichst umweltneutral im Gastgeberland bewegt (Grundsatz: “leave nothing but footprints, take nothing but pictures”). Ferner entspringt diesem Geiste auch der Ansatz, dass die Kleinstexpedition mit möglichst geringem Materialeinsatz unterwegs ist. Gipfelbegehungen werden ohne Fixseile oder Träger erfolgen und geschehen lediglich aus der eigenen Kraft heraus. Unvermeidlich und auch im gewissen Umfang gewünscht, ist das Engagieren einheimischer Träger/Tragtiere und Guides/Koch bis zum Basislager. Neben der logistischen Zustiegs- und Durchführungserleichterung soll die Beschäftigung Einheimischer ein Zusatzeinkommen durch den lokalen Bergtourismus ermöglichen.

 

Kulturelle Aspekte

 

Auf Expeditionen in fremde Gastländer sind deren Kultur und Traditionen respektvoll zu beachten. Man muss sich im Klaren über jeden noch so geringen sozio-ökonomischen Einfluss eines jeden Besuchs in entlegenen Gebieten sein. Je nach Zielgebiet und Anspruch des Anmarsches sollen, wie oben bereits erwähnt, lokale Führer, Träger oder Pferde-/Yak-/Kameltreiber engagiert werden, um auch die Idee des aufkommenden Bergtourismus als zusätzliche Einnahmequelle für die einheimische Bevölkerung zu stärken. Gleichzeitig ermöglichen uns diese einheimischen Helfer eine leichtere Kontaktaufnahme mit den lokalen Siedlungen auf dem Weg. Dies fördert den interkulturellen Austausch mit den Einheimischen, der uns sehr wichtig ist. Neben der vertikalen alpinen Erfahrung sollen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch die kulturellen Aspekte des Gastlandes kennenlernen und dort horizonterweiternde Erfahrung im Umgang mit Mensch und Umwelt sammeln.

 

Umweltaspekte

 

Der oben kurz erwähnte möglichst umweltneutrale Expeditionsstil schließt mit ein, dass nach Möglichkeit keine Hinterlassenschaften im Expeditionsraum zurückbleiben. Die Schonung des sehr sensiblen Ökosystems des Gastlandes ist allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wichtig. Der möglichst geringe Materialeinsatz mit geringstmöglicher Auswirkung auf die Natur soll so dem ökologischen Anspruch des DAV und die gängigen Ethik-Codes erfüllen. Logistische Aspekte wie biologisch abbaubare Seife und Waschmittel, Wasch- und Latrinenplätze weit weg von Wasserläufen/-stellen u.v.m. werden bereits bei der Planung berücksichtigt.

 

Ethik-Codes

 

Für die gesamte Expedition gilt des Weiteren die Beachtung des UIAA-Ethik-Codes (Ethical Code for Expeditions, 1987), der Kathmandu-Deklaration (1982) und der Tirol-Deklaration (2002) als selbstverständlich.