Norbert "Noppes" Wieskotten

Norbert, Jahrgang 1965, ist Elektronik-/Software-Ingenieur.

„Von klein auf wird der Essener in den Sommerurlauben unter der Obhut seines Vaters an das Klettern und Hochgebirgsgehen herangeführt. In der restlichen Zeit des Jahres spielt er, als Junge des Ruhrgebiets, hauptsächlich Fussball, steht zeitweise sogar im Tor einer Jugendmannschaft von Rot Weiss Essen. Erst mit 18 entdeckt er die Felsen der näheren Umgebung und damit auch die ,richtigen, Leute, um sich als Kletterer in der Boom Zeit des Freikletterns zu entwickeln…“ (Zitat: Uli Auffermann, Alpinjournalist und Buchautor).

 

Welche alpinen Disziplinen reizen dich am meisten und wo bist du am liebsten unterwegs?

Genau genommen begeistern mich alle Kletter-Disziplinen, Sportklettern und Bouldern. Wobei mir eigentlich – für einen Flachlandbewohner ungewöhnlich – das Eisklettern am meisten liegt. Große kombinierte Touren sind da natürlich als Fortführung besonders reizvoll, aber das ist für mich als reiner Amateur neben Beruf und angesichts der Länge der Anfahrt nur in den Urlauben möglich.

 

Auf welche Tour bist du besonders stolz?

Auf jeden Fall auf die Kanada-Route "The Terminator“. "Best ice climb in the world" hatte unser Freund Keith im Dezember '96 gemailt, als der Eisfall sich zum ersten Mal nach 11 Jahren wieder geformt hatte. Klar, dass wir dann sofort Flugtickets buchten. Wir konnten die Route dann im Februar 1997 klettern. 1985 – das Jahr, als auch der Film in die Kinos kam - war der "Terminator" erstbegangen worden. Er bekam nur fünf Begehungen und wurde zunächst mit WI 7 bewertet, später auf 6+ reduziert. Ein Helikopterbild aus der Totalen war auf dem Cover des Climbing-Magazines No.99 aus dem Jahre '85. What more needs to be said?

 

Du giltst als einer der bestvernetzten Alpinisten in NRW, wie denkst du über den Alpinismus aus NRW?

Ich habe den Eindruck, dass es in den letzten Jahren mehr und mehr alpin Aktive in diesem durch Kletterverbote gepeinigten Bundesland gibt. Früher gab es noch Top-Trainingsgebiete wie das Hönnetal, die Nordeifel oder die Bruchhauser Steine im Sauerland, die schon wegen ihrer Höhe einen alpinen Charakter hatten. Dort musste und konnte man auch den Umgang mit traditionellen Sicherungen lernen. Heute gibt es zwar einige neue Steinbrüche, doch die sind notwendigerweise ausschließlich mit Bolts zu sichern – und sicherbar. Daher muss man von hier mehr und mehr reisen, um auf dem Gebiet Routine zu bekommen. Das gilt natürlich in noch stärkerem Maße für Eis- und Mixed-Klettern. Aber die „jungen Wilden“ kommen – und werden immer stärker!

 

Warum unterstützt du den Alpinkader NRW?

Weil ich ihn für eine sehr gute Sache halte. Eine solide Ausbildung auch und besonders in nicht alltäglichen Thematiken, wie beispielsweise Lawinenkunde, Taktik am Berg oder, Routenfindung. Dann das Knüpfen von neuen Kontakten und den regen Austausch unter den Aktiven, das ist sicherlich ein guter Schub für den Sport in NRW.

 

Was, denkst du, können junge Alpinisten im Alpinkader von dir lernen?

Klettern können heute eigentlich so gut wie alle. Die größte Hürde für Mittelgebirgskletterer in alpinen Touren sind die Wegfindung und der Zeitplan. Letzteres ist oft ein Resultat aus dem schlecht eingespielten Handling bei Mehrseillängen. Also hier gilt es zu üben: schnell einen Standplatz zu bauen, umzubauen, Wechselführung, Seilhandling... das ganze Thema. Außerdem muss man in leichtem Gelände schnell sein, also nicht überall Stand zu Stand sichern. Man sollte in der Lage sein, leichtes Zeug streckenweise mit sogenanntem Running Belay abzusichern, zum Beispiel mit Triblocs. Das alles erfordert natürlich Erfahrung, weswegen man das am besten von den erfahreneren Alpinisten lernen kann. Verhauer, die Zeit kosten, passieren jedem mal, sollten allerdings die Ausnahme bleiben. Gute Sportkletterer kennen meistens nur den geraden Weg nach oben und übersehen oft, dass es zum Beispiel in der Rinne links ums Eck 100-mal schneller gegangen wäre.

 

 

Alpine Highlights von Noppes:

  • 1984: "Contamine" Petites Jorasses Westwand.
  • 1985: Amerikanische Direkte mit Magnoneführe frei, Dru Westwand.
  • 1986: „Linceul“, Nordwand Grandes Jorasses, solo.
  • 1987: Große Zinne Nordwand frei.
  • 1987: Supercouloir, Mont Blanc du Tacul.
  • 1987: Les Courtes, Schweizerführe.
  • 1988-1993: Diverse Winter Besuche in Schottland: u.a. “Zero Gully”, “Point Five Gully”, “Minus Two” & “Minus One Gully”, “Orion Face”, “Waterfall Gully left wall”, “Hadrians Wall”, “Smith Route”,…
  • 1990: Walkerpfeiler, Grandes Jorasses.
  • 1992: Eigernordwand, Heckmair.
  • 1994: Vierte Beg. Hängende Gärten, Lüsens.
  • 1995-2000: Diverse Winter Besuche in Kanada (BC und Alberta): Erste europäische Wdh. dreier damaligen Top Routen „Sea of Vapours“, „The Terminator“ und „Suffer Machine“. Weitere Routen: „Rainbow Serpent“, „Whiteman Falls“, „Weeping Pillar“, Curtain Call“, „Les Miserables“, “French Maid”, “Acid Howl”, “French Reality”, “Polar Circus”, “Nemesis”, “The Sorcerer”, Erstbeg. “Blaue Wandernadel”,…
  • 1997: Frühe Wiederholung “Shiva Lingam”, Argentiere Gletscher, Chamonix.
  • 1998: „Repentance Super“, Val di Cogne.
  • 1999: “Lipton”, „Juvsöla“, Norwegen.
  • 2000: Erstbegehung „Mehr Power durch sportliche Aufkleber“, Kandersteg.
  • 2000: Erstbegehung „Cobra“, Lac de Mauvousin.
  • 2001: Droites Nordwand, Jackson/Ginat.
  • 2002: Expedition zum Kwangde Lho, Nepal.
  • 2003: „Crack Baby“, Kandersteg.
  • 2004: Capucin Ostwand, Chamonix.
  • 2007: „Dampfstrahler“, Renkfälle.
  • 2008: Couloir nord du plan, Rognon du Plan, Chamonix
  • 2009: „Reise ins Reich der Eiszwerge“, Kandersteg.
  • 2010: „Hydrophobia“, Brunnital.
  • 2014: „Fil à plomb“, Chamonix.
  • 2015: „Hydrophobia“, „Cosmic Messenger“, „VOB“, … Alberta, Kanada.
  • 2015: Matterhorn N-Wand, Schmid Route.